19.10.2025

Gemeinsam gegen Antifeminismus

Die 167. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings bekennt sich klar zu einer demokratischen Kultur des gleichberechtigten Miteinanders (Art. 3 Grundgesetz).

Antifeminismus betrifft uns alle

Wir nehmen die antifeministischen Anfeindungen und Angriffe gegen Frauen, queere Personen und Geschlechterpolitik sehr ernst. Sie sind ein Angriff auf den Kern unserer Demokratie. Im rechtsextremen Spektrum und in anderen radikalisierten Milieus ist Antifeminismus ein zentrales Element der Mobilisierung und Schwächung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dabei handelt es sich bei Antifeminismus nicht um ein Randproblem, sondern er spiegelt sich in vielen Strukturen und Entscheidungen in der Mitte der Gesellschaft wider. Zu erwähnen ist, dass Antifeminismus oft Hand in Hand mit anderen Diskriminierungen, wie Rassismus oder Ableismus geht. So wird insbesondere Frauen mit Migrationsgeschichte die Selbstbestimmung oder emanzipatorische Bestrebungen abgesprochen. Es ist unser Selbstverständnis als Bayerischer Jugendring, uns für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen und uns entschlossen gegen frauen- und queerfeindliche Bestrebungen zu stellen.

Vor dem Hintergrund des erstarkenden Antifeminismus sind gerade deshalb wir als Bayerischer Jugendring gefragt, uns klar zu einer demokratischen Kultur des gleichberechtigten Miteinanders (Art. 3 Grundgesetz) zu bekennen, sie in unseren Strukturen zu leben und einzufordern. Dies bedeutet, frauen- und geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten zu reflektieren, sie zu benennen und ihnen aktiv entgegenzuwirken. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Diskriminierungsdimensionen ist uns wichtig, antifeministische Denk- und Handlungsmuster zu erkennen und sie zu durchbrechen.

Regelmäßige Erhebungen, Analysen und Berichte zur Gleichstellung sind unabdingbar und müssen beibehalten bzw. erweitert werden. Wir schließen uns der Forderung des Bayerischen Landesfrauenrats an, die Gleichstellungsberichte an den Bayerischen Landtag aufrechtzuerhalten, um die Wirksamkeit des Gleichstellungsgesetzes kontinuierlich überprüfen und steuernd einzugreifen zu können.

Wir als Bayerischer Jugendring

  • begreifen den Einsatz gegen Antifeminismus als zentralen Bestandteil unseres demokratischen Engagements sowie als wichtiges Element zur Demokratiebildung und -stärkung.
  • setzen uns kritisch mit unserer Organisationskultur auseinander und verpflichten uns, geschlechtergerechte und diversitätsbewusste Solidarität zu leben.
  • verpflichten uns zu politischer und antipatriarchale Bildungsarbeit und Wissensmanagement im Themenfeld Antifeminismus, sowie zum Engagement in Netzwerken gegen Antifeminismus.

fordern Qualifizierung und Weiterbildung, damit Fachkräfte aktiv zum Thema Antifeminismus und Geschlechtergerechtigkeit arbeiten können, besonders mit Jungen und Männern [1]

Dazu sind langfristige, finanzielle und strukturelle Förderung von Maßnahmen, Bildungsprogrammen und Organisationen erforderlich[2].

Für die Ausgestaltung dieser Forderung soll ein BJR- Fachprogramm „Geschlechtergerechte Jugendarbeit“ eingerichtet werden. Grundlage sind u. a. die Beschlüsse „Mädchen und Frauen in der Jugendarbeit in Bayern. Bestandsaufnahme und Empfehlungen“ von 1993 und „Geschlechtergerechtigkeit in der Jugendarbeit in Bayern“ von 2006. Bereits gefordert wurde das Fachprogramm in den Beschlüssen „Zurück in die Zukunft: Chancengleichheit für Mädchen* trotz Corona!“ vom 19.06.2021 und in „Queere Jugendarbeit“ vom 21.10.2023.

 

[1] Studien wie z. B. die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 kommen zum Ergebnis, dass nicht nur bis zu einem Viertel der Deutschen eine geschlossene antifeministische und sexistische Einstellung aufweisen (siehe https://www.boell.de/sites/default/files/2024-11/leipziger-autoritarismus-studie-2024-vereint-im-ressentiment-autoritaere-dynamiken-und-rechtsextreme-einstellungen.pdf, S. 167), sondern dass der Anteil bei Männern deutlich höher ist als bei Frauen (aus 2020: jeder vierte Mann und jede zehnte Frau). (siehe https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/neue-mitte-studie-in-leipzig-vorgestellt-antifeminismus-ein-zentraler-bestandteil-rechtsextremer-ideologie-63489/)

[2] DBJR Position„Gemeinsam aufstehen gegen Antifeminismus“ vom 27.10.2024.