Interviews

Q&A mit Kathrin Vogt zu Erasmus+ Schulbildung

Kathrin Vogt arbeitet am ISB und ist zuständig für das EU Förderprogramm Erasmus+ für allgemeinbildende Schulen. Zu diesem wichtigen Programm durften wir ihr ein paar Fragen stellen.

BJR: Ist Erasmus+ Schule nur etwas für Gymnasien?

KV: Klare Antwort: Nein, absolut nicht! Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, den wir gerne ausräumen. Erasmus+ Schulbildung richtet sich an alle allgemeinbildenden Schulen. Das Programm ist inklusiv und offen für die gesamte Palette des bayerischen Schulsystems: Grundschulen, Mittelschulen, Realschulen, Förderzentren und natürlich auch Gymnasien. Das Ziel des Programms ist die europäische Dimension in der Bildung zu stärken, und das betrifft jeden Schüler und jede Lehrkraft, unabhängig vom Schultyp. Kurz gesagt: Jede Schule in Bayern, die sich europäisch vernetzen möchte, kann am Erasmus+ Programm teilnehmen.

BJR: Wenn ich am Programm teilnehmen möchte, wie viel Zeit muss ich dafür einplanen?

KV: Die Zeitplanung ist ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Antragstellung. Generell gilt: Der Prozess von der Idee bis zur Antragstellung benötigt Struktur und sollte nicht überstürzt werden. Wir empfehlen bayerischen Schulen, mindestens sechs Monate vor der jeweiligen Antragsfrist mit der strukturierten Planung zu beginnen. Für uns am ISB ist es wichtig, dass wir unsere Schulen bei der Antragstellung begleiten. Gemeinsam mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen bieten wir einen speziellen Lehrgang an, der bayerische Lehrkräfte gezielt auf die Antragstellung vorbereitet. Es sind natürlich auch individuelle Beratungen möglich. Schulen können uns ihre Antragsentwürfe zukommen lassen und erhalten ein Feedback.

Gerade für Grund-, Mittel-, Förder und Realschulen kann der Aufwand eines eigenen Antrags zunächst hoch erscheinen. Wir bieten daher eine attraktive Alternative an. Diese Schulen haben die Möglichkeit, sich dem Konsortium des ISB (Erasmus@ISB) anzuschließen und ohne eigene Antragstellung am Programm teilzunehmen. 

BJR: Mit wie viel Förderung kann ich rechnen? Müssen die Schüler:innen / die Schule auch etwas zahlen?

Die gute Nachricht vorweg: Erasmus+ ist ein sehr großzügiges Programm, das darauf abzielt, allen Schülerinnen und Schülern unabhängig vom finanziellen Hintergrund eine Auslandserfahrung zu ermöglichen. Die Förderung basiert auf dem Prinzip von Pauschalen, z.B. für Reisekosten,  Aufenthaltskosten (Verpflegung und Unterkunft), Kursgebühren etc. Es gibt auch eine sogenannte Organisatorische Unterstützung für die Einrichtung. Die genauen Sätze können einer Tabelle entnommen werden. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass z.B. bei einer Gruppenmobilität von Schülerinnen und Schülern die Pauschalen in der Regel kostendeckend sind bzw. sogar häufig am Ende Geld übrig bleibt, welches im Sinne des Programms Erasmus+ verwendet werden kann. Da es Pauschalen sind, kann es aber sein, dass die tatsächlichen Kosten (z. B. für sehr teure Flüge oder Unterkünfte in Metropolen) die Pauschale überschreiten. In diesen Fällen würde ein Eigenanteil entstehen. 

Danke dir, Kathrin, dass du uns die ersten Fragen beantwortet hast. Viele weitere Antworten finden interessierte Lehrkräfte bei euch auf der Homepage oder können sich per Email an euch wenden: erasmusplus-schulbildung(at)isb.bayern.de

Mehr über Erasmus Plus

Q&A mit Max Deinlein zum regionalen Netzwerk für Schulaustausch

Max Deinlein ist an der Friedrich-Alexander-Universität Projektkoordinator für das Netzwerk „Internationalisierung von Bildung in der Metropolregion Nürnberg“ (InBiM). Da regionale Netzwerke in Bayern für den Schulaustausch spannend sind, haben wir ihn befragt, was es damit auf sich hat.

BJR: Was ist InBiM und wer hat´s erfunden?

MD: Das Netzwerk wurde 2016 als Projekt unseres Lehrstuhls von Prof. Dr. Anatoli Rakhkochkine ins Leben gerufen. Seit diesem Zeitpunkt leitet er das Projekt und wird dabei immer von einem Mitarbeitenden des Lehrstuhls bei der Koordination des Netzwerks unterstützt. Im Netzwerk führen Schulen und Lehrkräfte sowie außerschulische Akteure mit internationalem Profil ihre Erfahrungen, Potenziale, Entwicklungsstrategien und Perspektiven zusammen.

BJR: Was bringt so ein regionales Netzwerk für den internationalen Schulaustausch?

MD: Unser Netzwerk versucht das gemeinsame Handeln und Kooperation zwischen diesen genannten Akteuren zu fördern, verbindende Potenziale sichtbar(er) zu machen und Schulaustausch bei den Netzwerkmitgliedern auszubauen und zu verstetigen. Das Netzwerk begleitet Prozesse der Organisationsentwicklung und Professionalisierung in der internationalen Bildungsarbeit, verbindet Wissenschaft und Praxis und leistet zugleich einen Beitrag zur Aus- und Fortbildung von Lehrkräften– etwa zu Fragen der Sicherheit bei der Vorbereitung und Durchführung von Schüler- und Jugendaustauschen oder ganz praktisch zu innovativen Methoden der internationalen Bildungsarbeit.

BJR: Wie unterstützt mich InBiM bei meinem Schulaustausch?

MD: Wir unterstützen inhaltlich, initiieren Kooperationen, intensivieren den Erfahrungsaustausch und bieten Fort- und Weiterbildungen an. Gerne beraten wir zu Fragen bei Planung, Finanzierung, Durchführung oder Evaluierung des eigenen Austauschsprojekts.

BJR: Was ist deine größte Vision für den Schulaustausch?

MD: Meine größte Vision und auch Wunsch für den Schulaustausch und für alle Angebote innerhalb der internationalen Jugendbildung ist, dass jeder junge Mensch im Laufe seiner Bildungszeit (in Schule, außerhalb oder danach) die echte Chance erhält, mindestens einmal an einem Schüleraustausch oder einer internationalen Jugendbegegnung teilzunehmen – und zwar unter Bedingungen, die eine tatsächliche Teilnahme realistisch ermöglichen.

BJR: Wie werde ich Mitglied im Netzwerk?

Wir freuen uns immer über Schulen oder andere Bildungseinrichtungen, die Interesse an Mitarbeit und Teilnahme bei Netzwerktreffen bzw. Fortbildungen haben. Dafür reicht eine kurze Mail mit Name und Einrichtung an projekt-inbim(at)fau.de

BJR: Lieber Max, danke für den Einblick in euer Netzwerk! Abgucken und nachmachen in anderen Regionen Bayerns ist ausdrücklich erlaubt.

Mehr über das InBiM 

Interview von November 2025

Q&A mit Susanne Scholle zum Schulaustausch mit Ländern des Globalen Südens

BJR: Warum lohnt es sich einen Schulaustausch mit einem Land in Afrika, Asien Lateinamerika oder Südosteuropa zu machen?

Scholle: Es lohnt sich diese weite Reise auf sich zu nehmen, weil diese Art von Austausch ein riesiges Potenzial an Lernmöglichkeiten bietet: Die Teilnehmenden blicken über ihren Tellerrand hinaus, das bedeutet konkret, sie lernen neue Menschen, Lebensrealitäten und Perspektiven kennen. Wenn die Lernreise inhaltlich gut begleitet ist, beginnen Schüler*innen und auch Lehrkräfte Vorurteile abzubauen, Stereotype zu erkennen und eurozentristische Sichtweisen zu hinterfragen. Dadurch, dass sie gemeinsam mit Schüler*innen aus dem Partnerland an globalen Themen arbeiten, erleben sie globale Zusammenhängehautnah. Und natürlich lernen sie auch neue Freund*innen kennen!

BJR: Ist so eine Reise nicht furchtbar teuer für die Schüler:innen?

Scholle: Das ENSA-Programm bietet eine finanzielle Förderung in Höhe von 14.000€ für die Begegnungen mit der ein Großteil der anfallenden Kosten abgedeckt werden kann. Um die Kosten darüber hinaus (10% Eigenanteil) zu decken, gibt es andere Möglichkeiten der Spendenakquise (z.B. die Organisation von Kuchenbasaren, Spendenläufen, oder örtliche Unternehmen) damit diese Kosten nicht auf die einzelnen Schüler*innen umgelegt werden müssen.

BJR: Für welche Schüler:innen, Klassen oder Schularten ist so ein weltweiter Austausch am besten geeignet?

Scholle: Grundsätzlich ist eine solcher Austausch eine Lernerfahrung, die für Schüler*innen sämtlicher Schularten bestens geeignet ist: also für Mittelschulen und Berufliche Schulen genauso wie für Realschulen, Gymnasien oder Förderschulen. Wir sind der Meinung, dass eine solche Erfahrung allen Schüler*innen ermöglicht werden sollte, gerade denjenigen, die normalerweise nicht das Privileg und die Möglichkeit haben, weite Reisen zu machen. Das ENSA-Programm fördert Schüler*innen ab 14 Jahren.

BJR: Was tun, wenn ich mir nicht zutraue mit meinen Schüler:innen in ein mir unbekanntes Land zu fahren?

Scholle: Bei einer Schulpartnerschaft geht es  um mehr als nur die Reise in das Partnerland. Ihr könnt euch mit eurer Partnerschule erst einmal virtuell treffen um euch besser kennenzulernen. Das macht einen Besuch viel einfacher, wenn man die Menschen die man besucht schon kennt. Beim ENSA-Programm gibt es das Format der Anbahnungsreise, gefördert wird ein kürzerer Besuch und ein Gegenbesuch im gleichen Jahr, mit nur 2-4 Schüler*innen. Hier geht es darum, sich erst einmal kennenzulernen und gemeinsam zu schauen, wo es mit der Schulpartnerschaft hingehen soll. Auch das ist ein sanfterer Einstieg als gleich mit einer größeren Schüler*innengruppe unterwegs zu sein. ENSA bietet neben der Förderung von Schulpartnerschaften auch ein vielfältiges Fortbildungsprogramm an, auch für interessierte Lehrkräfte, die noch keine Erfahrungen mit Schulpartnerschaften haben. Hier werden auch immer wieder Beispiele aus der Praxis von erfahrenen Lehrkräften vorgestellt.

BJR: Wie kann ich mich und meine Schüler*innen gut auf den Austausch vorbereiten? Wie kann mich ENSA bei meinem Projekt im Rahmen der Nord-Süd-Schulpartnerschaft unterstützen?

Scholle: Das ENSA-Programm bietet neben der finanziellen Unterstützung ist auch unser pädagogisches Begleitprogramm Teil der ENSA-Förderung. Die Schulgruppen werden von erfahrenen Bildungsreferent*innen auf ihre Reise und die Erfahrung vorbereitet. Im Anschluss wird das Erlebte in der Nachbereitung gemeinsam reflektiert. Grundsätzlich ist es wichtig, mit einer Haltung der Neugier und Offenheit auf die Partnerschüler*innen und -Lehrkräfte zu treffen und gegebenenfalls stereotype Vorstellungen über das Partnerland über Bord zu werfen. Die Begegnung wird dann zu einem verbindenden Erlebnis, wenn man sich auf die Gemeinsamkeiten statt auf die Unterschiede konzentriert!

Vielen Dank, liebe Susanne Scholle, für deine Infos! Weiterlesen kann man dazu auf der ENSA-Homepage und im ENSA Tagebuch

Interview von Oktober 2025

Q&A mit Bernd Böttcher von "Austausch macht Schule"

Bernd Böttcher arbeitet für "Austausch mach Schule" (AmS), eine Initiative bundesweiter Fach- und Förderstellen der internationalen Jugendarbeit, mit aktuellem Sitz in Regensburg, im Büro von Tandem. Uns hat er ein paar Fragen dazu beantwortet, was AmS macht und wie es den internationalen Schulaustausch voranbringt:

BJR: Wie unterstützt AmS Lehrkräfte im Schulaustausch?

BB: Wir selbst haben kein Geld, um einen Schulaustausch zu finanzieren. Leider. Aber wir geben etwas Orientierung bei Förderungen und Ansprechpersonen rund um den schulischen und Jugendaustausch. Vor allem gibt es bei uns Anregungen für ein gutes Austauschprojekt. Wir wollen mit Beispielen und Hilfsangeboten zeigen, was alles möglich ist. Bei eigenen Veranstaltungen vernetzen wir außerdem Engagierte und Akteure, oder informieren auf Veranstaltungen anderer. „Austausch macht Schule“ will aber Lehrkräfte auch dadurch unterstützen, dass wir Politiker und Abgeordnete über die Situation und Probleme beim Schul- und Schüleraustausch informieren – damit sich die Rahmenbedingungen langfristig ändern.

BJR: Wo findet Ihr die Beispiele für so unterschiedliche Austauschprojekte?

BB: Das ist gar nicht schwer – eigentlich gibt es überall, auf allen einschlägigen Netzwerktreffen und Fachveranstaltungen so viele gute Ideen, die Lehrerinnen und Lehrer entwickelt haben. An vielen Schulen ist ein Schulaustausch kein Selbstläufer – aber es gibt unheimlich engagierte Lehrkräfte, die diese Schwierigkeiten mit guten Ideen überwinden. Und das sollte einfach bekannter gemacht werden. Viele freuen sich dann auch darüber, wenn wir davon berichten wollen.  

BJR: Wer hat „Austausch macht Schule“ erfunden?

BB: „Austausch macht Schule“ ist eine gemeinsame Initiative bundesweiter Fach- und Förderstellen, die alle irgendwie für den schulischen Austausch zuständig sind. Die Idee entsprang der regelmäßigen Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Organisationen, die sich so besser abstimmen und auf Bedürfnisse von Lehrkräften eingehen wollten. Es lag dann also ganz nahe, dass „Austausch macht Schule“ auch gezielt auf z.B. die Politik zugeht und diese informiert.

BJR: Was sind eure wichtigsten politischen Forderungen und Erfolge?

BB: Unsere zentrale Botschaft ist: Internationaler Austausch soll selbstverständlich werden – für jede und jeden, als Teil einer jeden Bildungsbiografie. Dafür nötig sind ganz viele Aspekte: eine sichere Finanzierung, der Stellenwert von Austausch im Bildungssystem, gut vorbereitete Lehrkräfte usw. Besonders stolz sind wir darauf, dass auf unseren Anstoß hin mehrere Landtage umfassende Beschlüsse gefasst haben, um den Austausch insgesamt zu stärken. Sogar die Jugend- und Familienminister:innenkonferenz hat in diesem Jahr zentrale Positionen von uns übernommen. Wir hoffen, das zeigt Wirkung!

BJR: Wie kann ich mich an „Austausch macht Schule“ wenden?

BB: Bei vielem hilft schon ein Blick auf unsere Website. Hier kann man sich einlesen, findet Beispiele guter Praxis oder Verweise auf die richtigen Ansprechpersonen bei Fach- und Förderstellen. Für Fragen kann man aber auch jederzeit eine Mail an info(at)austausch-macht-schule.org oder über das Kontaktformular auf unserer Website schreiben – dann antworte ich in der Regel zügig.

Vielen Dank, Bernd Böttcher!

Mehr über Austausch macht Schule

Interview von Juli 2025

Q&A mit Susanne Doherty zum Schulaustausch mit UK

Seit dem "Brexit" ist es nicht mehr so einfach, für deutsche Schulen Partnerschulen im Vereinigten Königreich (UK) zu finden oder auch geeignete Förderungen zur Finanzierung eines Schulaustauschs. Deswegen haben wir Susanne Doherty nach Rat gefragt. Sie arbeitet für den Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz und ist für UK-German-Connection zuständig:

BJR: Wer kann Schulen zum Austausch mit UK beraten?

SD: Das deutsche UK-German Connection Büro berät deutsche Schulen, die britische Partnerschulen suchen und Förderanträge für Aktivitäten mit britischen Partnerschulen an das deutsche UK-German Connection Büro für den Schulbereich richtet. Schulen, die eine Partnerschule suchen, können sich über die Webseite in einer Datenbank für suchende Schulen registrieren lassen (Beratungsservice für Schul- und Jugendpartnerschaften – Fachleute & Familien). Da weit weniger Interesse auf britischer Seite besteht, ist es aber am erfolgversprechendsten, wenn die deutsche Schule alle Möglichkeiten der Partnersuche selbst auslotet (private Kontakte, Städtepartnerschaften etc.)

Wir beraten nicht zu individuellem Schüleraustausch bzw. zu Aufenthalten von einzelnen Schülerinnen und Schülern, die nicht im Rahmen von laufenden Schulpartnerschaften stattfinden.

BJR: Ist das für alle Schulen und Schularten interessant oder gibt es spezielle Zielgruppen?

SD: Unsere Förderung steht allen Schulen offen, die (überwiegend) aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Wir fördern gezielt Schulen mit einer Klientel, die im wirtschaftlichen Sinne überwiegend benachteiligt ist.

BJR: Wie kann ich für einen Schulaustausch mit UK Fördermittel beantragen?

SD: Alle wichtigen Infos zu den Förderprogrammen sind auf der Website zu finden (Fördermittel – Fachleute & Familien). Nicht nur Schulaustauschmaßnahmen, auch Aufenthalte von Lehrkräften ohne Schülerinnen und Schüler können über bestimmte Programme gefördert werden (Planungsbesuche für Projektarbeit, Hospitationen). Wir bieten circa alle zwei Wochen Infowebinare zur Förderung an, das nächste ist am 15. Juli.

BJR: Warum lohnt sich ein Austausch mit UK auch nach dem Brexit?

SD: Das Interesse deutscher Schulen ist ungebrochen auch nach dem Brexit. Ich denke, dass UK immer noch ein sehr attraktives Land ist, weil es kulturell sehr viel zu bieten hat und die Verbindung zwischen Deutschland und UK immer noch sehr eng ist. Viele Unterrichtsinhalte und Lehrbücher sind nach wie vor inhaltlich an UK orientiert.

Vielen Dank Susanne Doherty, für die Infos!

Fördermittel – Fachleute & Familien

Interview von Juni 2025

Andreas_Heidenreich_ISB
Andreas_Heidenreich_ISB

Q&A mit Andreas Heidenreich zum internationalen Schulaustausch in der Berufsbildung

Andreas Heidenreich arbeitet für das ISB Bayern und berät berufliche Schulen zu Erasmus+ Berufsbildung. Uns hat er ein paar Fragen beantwortet, wie Erasmus+ berufliche Schulen im Schulaustausch fördert:

BJR: Ist Erasmus+ Berufsbildung für alle beruflichen Schulen interessant, z.B. auch Wirtschaftsschule, BVJ oder FOSBOS?

AH: Definitv ja. Alle beruflichen Schulen können von Erasmus+ profitieren. Das Programm ist stark auf die Finanzierung von Praktika im Ausland angelegt. Es fördert insbesondere Schülerinnen und Schüler, die im Ausland Arbeitserfahrungen sammeln möchten. Aber auch Lehrerinnen und Lehrer können Praktika absolvieren, oder die (Berufs-)Bildung im Ausland durch eigenen Anschauung erleben.

BJR: Kann man nur Einzelmaßnahmen beantragen oder auch für ganze Gruppen Austausche finanzieren?

AH: Die Idee ist meist die Einzelmobilität von Lernenden oder Lehrpersonal. Es können aber auch mehrere Personen, also Gruppen, zum selben Zeitpunkt gleiche Aktivitäten im Ausland unternehmen und Erfahrungen sammeln. Erasmus+ ist aber kein klassisches Austauschprogramm und auch keine Finanzierung von Abschlussfahrten. Die praktische Tätigkeit steht im Fokus.

BJR: Muss der Austausch mit der beruflichen Ausbildung zusammenhängen?

AH: Es muss nicht zwingend genau zur Ausbildung passen. Man darf bei Erasmus+ auch Erfahrungen in ergänzenden Bereichen sammeln. Vielmehr geht es darum, seinen beruflichen Horizont zu erweitern und ergänzend in einem anderen Umfeld Erfahrungen zu sammeln. Hier stehen z.B. Softskills nicht immer direkt in Zusammenhang mit dem Beruf, aber eine Handwerkerin, die ein Praktikum im Service absolviert, lernt sehr viel über Kundenkontakt. Man darf und soll also über den Tellerrand hinausschauen. Neben beruflichen Inhalten stehen auch Inklusion, Digitalisierung und die Vermittlung europäischer Werte im Fokus.

BJR: Kann man mit Erasmus+ eine Abschlussfahrt finanzieren?

AH: Nein, nicht im klassischen Sinne.

BJR: Wird ein Gegenbesuch gefördert?

AH: Nein, man kann nur seine eigene Reise finanzieren. Eine Ausnahme sind Experteneinladungen.

BJR: Kann man Sprachkurse im Ausland besuchen?

AH: Nein, nicht im Sinne von einfachen Sprachkursen, aber es gibt berufliche Angebote, die auch die Sprache verbessern können.

BJR: Was haben Schulen von dem Aufwand?

AH: Das Angebot von Auslandspraktika ergänzt ein Schulportfolio um echte Highlights und macht Lernen spannend.

BJR: Ist Erasmus+ nur für wohlhabende Schülerinnen und Schüler geeignet?

AH: Ganz klar nein! Erasmus+ ermöglicht besonders den nicht finanzkräftigen Schülerinnen und Schülern, die Welt zu erleben und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Vielen Dank, Andreas Heidenreich, für die vielen Infos! Und ein Hinweis für alle, die jetzt neugierig sind: Erasmus@ISB bietet als Konsortium einen einfachen Einstieg für berufliche Schulen in die Welt von Erasmus+. Für eine ausführliche Beratung können sich Schulen direkt an das ISB wenden (erasmusberuf(at)isb.bayern.de).

Mehr zum ISB

Interview von Mai 2025